Warum wir Freie Open Source Software einsetzen

An unserer Schule verwenden wir fast ausschließlich Freie Open Source Software. Warum wir diesen Weg eingeschlagen haben, möchten wir in diesem Beitrag erklären.

Eine Software gilt dann als Freie Software wenn die Nutzer des Programms folgende vier Freiheiten haben: (Siehe auch: https://www.gnu.org/philosophy/free-sw.de.html)

Die Freiheit, das Programm auszuführen wie man möchte, für jeden Zweck.
Die Freiheit, die Funktionsweise des Programms zu untersuchen und eigenen Datenverarbeitungbedürfnissen anzupassen.
Die Freiheit, das Programm zu verteilen und damit seinen Mitmenschen zu helfen.
Die Freiheit, das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen der Öffentlichkeit freizugeben, damit die gesamte Gesellschaft davon profitiert.

Aus diesen Freiheiten ergeben sich einige Vorteile für uns:

Alle Schülerinnen und Schüler können die Software kopieren und auch zuhause verwenden.
Das stellt einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Chancengleichheit dar. So konnten wir zum Beispiel mehreren Flüchtlingen Computer mit dem kostenlosen Betriebssystem Ubuntu zur Verfügung stellen.

Ein wichtiger Aspekt der Open-Source-Kultur ist Sicherheit. Der offene Programmcode bildet die Grundlage. Er offenbart, wie ein Programm arbeitet und was es tatsächlich macht. Kommerzielle Software stellt aufgrund des nicht vorhandenen Quellcodes eine Black Box dar – was passiert da wirklich?
Der offene Code erlaubt außerdem die schnelle und verlässliche Behebung von Fehlern und Sicherheitslücken. Sowohl am Server als auch auf den Arbeitsplatzrechnern schätzen wir die rasch verfügbaren Updates.

Neben der Sicherheit wird der Schutz der eigenen Privatsphäre immer wichtiger. Wir wissen nicht, welche Daten kommerzielle Produkte sammeln. Wir wissen aber, dass wir den offiziellen Angaben der Hersteller diesbezüglich nicht vertrauen können – mit Gewissheit seit den Snowden-Enthüllungen. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass immer mehr SchülerInnen die eingebaute Kamera ihrer Laptops abkleben. Haben sie Angst gefilmt und überwacht zu werden oder kein Vertrauen in die genutzte Hard- und Software? Oder verstehen sie schön langsam, dass sie Einschränkungen in der Selbstbestimmtheit und wenig Kontrolle beim Datenschutz bei der Verwendung proprietärer Software akzeptieren müssen?
“Die Freiheit (ist der kostbarste Teil des Menschen)”, wird zugunsten von Bequemlichkeit immer mehr aufs Spiel gesetzt.
Wir als Schule haben jedoch eine gewisse Vorbildfunktion. Durch den Einsatz Freier Software haben wir die Möglichkeit, ein Bewusstsein für den Wert von Transparenz und Unabhängigkeit auf Seiten der SchülerInnen zu schaffen und zu fördern.

Mit der Verwendung von Freier Software möchten wir den SchülerInnen zeigen, dass es auch Alternativen zum Mainstream gibt. Auch Unternehmen und Verwaltungen setzen immer häufiger Freie Software ein und nicht nur die Europäische Kommission fordert deren Einsatz sondern auch in der Digital Roadmap Austria ist davon die Rede.
(siehe: https://joinup.ec.europa.eu/community/osor/news/ec-study-recommends-policies-emphasise-open-source)

So setzt zum Beispiel das österreichische Justitzministerium auf mehr als 12.000 PCs LibreOffice ein ( siehe: https://www.justiz.gv.at/web2013/file/8ab4ac8322985dd501229ce3fb1900b4.de.0/it%20feb%2017.pdf?forcedownload=true)

Neben diesen Freiheiten, haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Verwendung von Gnu/Linux auch technische Vorteile bringt – hier eine kleine Auswahl:

Aus unserer Sicht ist der Wartungsaufwand um einiges geringer. Für unsere Zwecke ist es z.B. nicht notwendig ein Softwareabbild (Image) einer Installation zu warten. Neue Rechner werden automatisch installiert.
Die Aktualisierung eines Linux-Pcs aktualisiert auch alle installierten Programme und nicht nur das Betriebssystem – ein wesentlicher Aspekt, der den Wartungsaufwand reduziert.
Mit Viren, Trojaner oder anderer Malware hatten wir bisher keine Probleme – wir hoffen das bleibt so.
Wir müssen uns nicht um Lizenzen und Produktschlüssel kümmern.
Unsere Pcs sind “selbstheilend”, das heißt, Benutzereinstellungen (Auflösung, Hintergrundbild, Browser-Cookies,…) werden nach einem Log-Out oder einem Neustart zurückgesetzt. Damit findet jede/r immer die gleichen Einstellungen vor.

Sind wir die einzige Schule die Linux verwendet?
Nein, es gibt auch einige andere Schulen in Österreich:
z.B.: Das Europagymnasium in Kärnten
das BRG Kremszeile
das Privates ORG Volders

Andere Staaten sind da schon etwas weiter, z.B.:
Der Kanton Genf Schweiz
Winterthur in der Schweiz
Bolzano in Italien
Andalusien in Spanien
Litauen, die französische Polizei, die italienische Polizei

Welche Software verwenden wir?
Als Distribution verwenden wir Debian am Server und Ubuntu auf den Arbeitsplatzrechnern. Eine interessante Übersicht finden Sie im “Werkzeugkasten Freie Software” Die dort erwähnten Programme laufen nicht nur unter Linux sondern auch unter Windows und MacOS und können natürlich auch zuhause verwendet werden.

Sollten wir jetzt Ihr Interesse an Linux geweckt haben, können Sie es gerne auch ausprobieren. Hier können Sie Ubuntu herunterladen

Zu Freier Software in der Bildung gibt es auch interessante Literatur, auf die wir hier gerne verweisen:

https://www.gnu.org/education/edu-schools.de.html

http://s-seitz.de/index.php/buch/

http://theopenschoolhouse.com/get-the-book/PDF Version

http://www.intotheweb.at/2016/10/04/free-and-open-source-im-bildungsbereich/

http://roland.alton.at/sites/default/files/documents/uDayPosterA1RASMicrosoft.pdf

https://joinup.ec.europa.eu/community/osor/news/investigative-journalists-government-lock-microsoft-alarming

https://joinup.ec.europa.eu/community/osor/news/france-how-high-school-association-finally-obtained-source-code

https://joinup.ec.europa.eu/community/osor/news/switch-open-source-model-turns-costs-rd

https://www.heise.de/ct/ausgabe/2016-18-25-Jahre-Linux-vom-Nerd-Spielzeug-zum-Allround-Betriebssystem-das-wirklich-jeder-benutzt-3296177.html

https://www.computerwoche.de/a/warum-deutschland-jetzt-auf-open-source-setzen-sollte,3331105,2

 

 

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